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Naturfaserstoffe mit Pflanzenfarben färben

      
Johanniskraut Die zum Färben benötigten Hilfsmittel sind große Töpfe, Eimer oder Wannen, Waage und Thermometer, ein Litermaß, ein großes Sieb oder ein Tuch aus Mullstoff, mehrere Ess- und Teelöffel, einen Porzellanmörser sowie Gummihandschuhe.
       
Alle Gewebe sind vorab zu waschen, damit nicht nur die Verschmutzungen und die Eigenfärbung der Fasern beseitigt, sondern auch die Farbstoffaufnahme verbessert und brillantere Farbtöne erreicht werden.  
Die anschließende Beizbehandlung dient der endgültigen Farbvorbehandlung. Dies ist notwendig, da sich Pflanzenfarbstoffe nicht direkt auf den zu färbenden Naturstoff auftragen lassen. Bei den Beizen handelt es sich um Metallsalze, die als Hilfsmittel zur Färbung erforderlich sind.

Die Zahl der zur Verfügung stehenden Beizen ist groß, wobei besonders das umweltverträgliche Alaun zu erwähnen ist. Dazu sind pro 100 Gramm trockenen Textils rund 20 Gramm Alaun in fünf Liter warmem Wasser aufzulösen. Die gewaschenen und noch nassen Kleidungsstücke werden in das vorbereitete Beizbad gelegt, das Ganze wird langsam erhitzt und etwa eine Stunde gekocht. Das anschließende Farbbad wird ähnlich vorbereitet, wobei auf 100 Gramm Fasern mindestens 100 Gramm getrocknete Pflanzenteile gerechnet werden.

Zunächst sind die benötigten Pflanzenteile in kalkarmem Wasser einzuweichen und der so entstandene Sud muss eine Zeit lang kochen. Bei zarten Blättern und Kräutern reicht eine Kochzeit von einer Stunde aus.  Dagegen brauchen Kräuter mit härteren Stängeln und Wurzeln bis zu zwei,  und Rinden bis zu vier Stunden Kochzeit. Die ausgekochten Pflanzen werden anschließend abgeseiht und mehrfach mit klarem Wasser überspült. Die nassen und vorgebeizten Textilien werden in das vorbereitete Farbbad gelegt und unter gelegentlichem Rühren erhitzt. Nach etwa ein bis zwei Stunden ist der Färbevorgang abgeschlossen.

Eine raffinierte und zugleich einfache Methode Textilien eine antike Wirkung zu verleihen, besteht darin, sie in einen Tee- oder Kaffeeaufguss zu tauchen. Dadurch erhalten einfache Stoffe wie Musselin einen dezenten aparten Sepiaton. Auch preiswerte Druckstoffe aus Baumwolle oder Leinen lassen sich auf diese Weise verschönern.

 

Im Handel wird auch Literatur zu diesem Thema angeboten.
Renate Jörke

"Färben mit Pflanzen.
Textilien selbst gefärbt. Historisches und Rezepte für heute."

Färben mit Pflanzen Obwohl die pflanzliche Färbekunst eine uralte Tradition hat, ist das Wissen darum fast völlig in Vergessenheit geraten. Denn schon im 17. Jahrhundert wurden gedruckte Baumwoll- und Leinenstoffe populär. Vollends verdrängt aber wurden die pflanzlichen Farben Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten synthetischen Farbstoffe entstanden. Aufgrund ihres niedrigen Preises und der einfachen Handhabung ersetzten sie rasch die Pflanzenfarben, die sich erst in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen der steigenden Zahl von Umweltallergien einer Renaissance erfreuen.

 

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