Die Farbe hat nun die Aufgabe den Raum mit dem
Bewohner zu verbinden.
Nachstehend sollen hier nur Punkte aufgezeigt werden, die bei der Farbgestaltung besonders
zu beachten sind. Denn es geht hier nicht, um die psychologische Schaffung von
Farbwirkung.Beim Betreten eines Raumes kann für den
Menschen der zuerst sichtbar werdende Boden -bevor der Fuß ihn betritt- zu den
unterschiedlichsten Eindrücken führen wie hemmen, einladen, führen oder auch unsicher
machen. So wirkt ein roter Teppich anders auf den Menschen als ein distanzierter blauer
Linoleumbelag oder die natürliche Ausstrahlung von Hobeldielen. Erst nach dem Betreten
wird die Möblierung wahrgenommen und sofort nach harmonischem Behagen in Bezug zum Boden
erforscht. Nachdem der Besucher Platz genommen hat, beginnt er zu beobachten, zunächst
die gegenüberliegende Wand, dann werden die anderen Wände wahrgenommen und wenn er nicht
durch Gespräche, Essen oder andere Informationen in seiner Aufmerksamkeit beansprucht
wird, dann wird er sich auch die Decke kurz anschauen. Es sei denn es befinden sich
interessante Elemente an ihr die seine Neugier erregen und zum Verweilen animieren.
Nach dieser Betrachtung wird nun die ersterlebte
Bodenfläche zum Letzterlebnis. Der Boden wurde beim Betreten isoliert wahrgenommen
und wird nun im Zusammenhang mit der Möblierung und den Wänden begutachtet. Erst durch
die Gliederung im Raum - Oben - Seitlich - Unten - gewinnen die Farben für den
Menschen an Bedeutung. Auf dem Boden werden die ersten Schritte unternommen, die Seiten
können den Menschen kalt lassen oder angehen und wärmen, die Decke kann leicht
erscheinen und hüten oder auch erdrücken. Ein ästhetisches Behagen tritt für den
Betrachter erst ein, wenn farbton- und sättigungsmäßige konstante Beziehungen bei allen
Blickrichtungen getroffen werden.
Wände sind in ihrer Form Gestaltungselement, sie können
in flach-rechteckiger Form niedrig wirken und in schmaler hoher rechteckigen Form einen
eher stolzen Eindruck vermitteln. Daher ist es plausibel, dass bei der Gestaltung des
Raumes mit Farben dieser auch brutal zerstört werden kann, wenn beispielsweise eine
schmale hohe Wand starkfarbig betont wird. Sie kann leicht als eindrucksvolles Fanal nach
oben gedeutet werden, gut falls dies wirklich gewünscht war.
Auf einem Gang wirken zwei gleich gefärbte und gleich hell ausgeleuchtete Wände
begleitend, ist eine Wand davon jedoch heller als die andere, so stößt die dunklere Wand
ab und die helle zieht an. Das Zulaufen auf eine dunkle Wand impliziert ein Aufsaugen und
in ein finsteres Loch laufen. Das heißt, eine Wand ist nicht nur farbig zu gestalten, sie
ist auch in den Empfindungsablauf des Menschen im Raum zu involvieren.
Türen sind Elemente in der Wand und sollten daher weder in
der gleichen Oberflächenfarbe noch in der Oberflächenart wie die Wand gestaltet sein.
Die Farbe der Tür ist unter dem Aspekt des Hinein- oder Hinausgehen zu wählen, so kann
eine Türfarbe negativ darauf hinweisen, dass eine Tür geschlossen ist oder umgekehrt,
sie öffnet sich und gibt den Weg frei. Eine vermittelnde Rolle kann die Türzarge
zwischen Wand- und Türblattfarbe schaffen, durch sie lassen sich Farben kombinieren, die
direkt nebeneinander angeordnet weniger befriedigen würden.
Problematisch sind Fensterwände, sie stellen nicht nur die
Verbindung zur Außenwelt her, sie erscheinen auch immer sehr stark beschattet und
dunkel. Diese Wände müssen immer am hellsten gestaltet werden. Es sei denn, die Fenster
sollen überraschende Ausblicke gewähren.
Die Decke sollte keineswegs nur als Deckel betrachtet
werden, auch muss sie keinesfalls immer weiß sein. Die Deckenfarbe kann einen Raum
stimmungsmäßig zusammenfassen und ist daher unbedingt in die Farbkonzeption aufzunehmen.
Böden sind die Basis eines Raumes, sie beeinflussen die
Funktionseinheit 'Gehen-Stehen-Sitzen' und müssen immer Bezug auf den Fuß nehmen.
Es gibt viele Arten von Bodenbelägen und Musterungen, wobei Farben und Arten gut
aufeinander abzustimmen sind. Es eignen sich Farben wie helle glänzende Grünblautöne,
Farben aus dem Braun- und Rotbereich, vor allem auch dunklere und hellere Graustufen,
sowie weiche Grüntöne, Sand- und Erdnuancen.
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